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Geschichte der Banter Kantorei

Ein kurzer historische Überblick von den Anfängen der Kirchenmusik in der ev.-luth. Kirchengemeinde Bant am Ende des neunzehnten Jahrhunderts bis heute

Die Zeit bis 1917

Die ehemals selbständige Gemeinde Bant war ab 1911 bis 1937 ein Ortsteil der oldenburgischen Stadt  Rüstringen. Im Jahr 1937 wurde Rüstringen dann Teil der benachbarten Stadt Wilhelmshaven. Rüstringen entstand aus den oldenburgischen Orten Bant, Heppens und Neuende. Diese drei eigenständigen Gemeinden hatten bereits von 1902 bis 1911 das oldenburgische Amt Rüstringen gebildet.

 

Kirchenmusik ist seit eh und je in der Gemeinde Bant gepflegt worden. Schon lange vor dem Bau der Banter Kirche im Jahre 1900 gab es Chöre, die zur festlichen Bereicherung der Gottesdienste in der damalig genutzten Kapelle, die immerhin 300 Plätze aufwies, in der Gemeinde beitrugen.

 

1881 wurde Johann Diedrich Folkens -  von dem ostfriesischen Augustfehn kommend -  Hauptlehrer an der Schule in der Gemeinde Bant. Fünf Jahre später, 1886, bestellte man ihn zum provisorischen Organisten in Bant. 


Es war bis zur Trennung zwischen Staat und Kirche im Jahre 1919 üblich, dass die Lehrer – die der Kirche dienstrechtlich unterstanden und von dem zuständigen Superintendenten visitiert wurden  – Kantoren-, bzw. Organistendienste übernahmen. Eine entsprechende Kantorenausbildung erfolgte zumeist in den Lehrerseminaren.  Das zuständige Lehrerseminar war in Oldenburg angesiedelt.

 

Nach der Fertigstellung der Kapelle Im Jahre 1888 übernahm Folkens endgültig das Organistenamt und gründete einen Schülerchor, der zu besonderen Anlässen auch in der Kirche sang. Bis zu seinem Tode am 31.3.1898 war Johann Diedrich Folkens als Organist in der Kirchengemeinde Bant tätig.

 

Nach dem Tode Folkens im Jahre 1898  übernahm für kurze Zeit der Lehrer Eden den Organistendienst an der Kirche.

 

Sein Nachfolger wurde noch im Jahre 1898 Johann Hinrich Bücking, ebenfalls Hauptlehrer der Banter Schule. Dieser begann sofort mit der Gründung eines Kirchenchores. Lehrer Bücking war sehr erfolgreich, denn bis zur Einweihung der Banter Kirche am 20.12.1900 hatte er bereits eine Größe von über 100 Sängern (!) erreicht. Eine auch für die damalige Zeit beträchtliche Anzahl.


In diese Zeit fällt auch eines der ersten Banter Kirchenkonzerte am 29.August 1902. Dieses gestaltete der Organist mit der in Bant zu Besuch weilenden Konzertsängerin Fräulein Zehler aus Halle.

 

Die anfängliche Begeisterung allerdings erlahmte sehr bald: Einher mit der abnehmenden Anzahl der Sänger ging auch die Leistungsfähigkeit des Chores zurück, so dass die Chortätigkeit nach einigen Jahren ganz eingestellt werden musste. Verstärkt wurde diese Entwicklung sicherlich durch die Wirren des beginnenden Ersten Weltkrieges im Jahre 1914. 

 

Organist Bücking blieb trotz des Krieges noch bis 1917 in seinem Amt. In dieser Zeit übernahm er auch die musikalische Leitung des Kindergottesdienstes und spielte in den Kriegsjahren die Orgel zu den Kriegsgottesdiensten, die an jedem Mittwochabend in der Banter Kirche gehalten wurden. 


Einen aktiven Chor findet man in dieser Zeit jedoch nicht mehr.

Kantor Georg Hackstette 

und der Banter Madrigalchor (1917 – 1963)

1917 kam Georg Hackstette, nachdem auch er im Oldenburger Lehrerseminar ausgebildet und dort seine musikalische Ausbildung die als Instrumentalausbildung Klavier Violine und Kirchenorgel erhalten hatte, von Wildeshausen nach Rüstringen. 


Sein musikalisches Wirken zuvor war bereits auch in Bant aufgefallen; entsprechend hatte man sich darum bemüht, ihn nach Bant zu holen. Haclstette wurde Lehrer an der Schule Oldeoogestraße und zugleich Organist der Banter Kirche. Dies war ein glücklicher Umstand: Schnell lebte er sich in der Kirchengemeinde - die er bis zu seinem Tod nicht mehr verlassen sollte - ein. Bereits 1922 wurde die Orgel nach seinen Plänen umgebaut. Damit erhielt Georg Hackstette auch das geeignete Instrument, um alle Bereiche der Orgelmusik im Gottesdienst und in Konzerten ausfüllen zu können.

 

Seit der Neugründung des Kirchenchores im Jahre 1921 erklang auch erstmals wieder Chormusik in der Banter Kirche. Bereits zu Weihnachten 1923 konnte das Weihnachtsoratorium von Heinrich Schütz auführt werden. Georg Hackstette gelang es in wenigen Jahren, einen Chor heranzubilden, der bald mit hervorragenden Leistungen hervortrat und sich als Banter Madrigalchor weit über die Grenzen der Stadt Wilhelmshaven und des Landes Oldenburg einen Namen machte.

 

Der beginnende Zweite Weltkrieg  wirkte sich sehr nachteilig auf die Kirchenmusik in der Banter Kirche aus: Zwar blieb Georg Hackstette weiterhin Organist der Gemeinde, doch durch die Kriegsereignisse verließen viele Mitglieder des Chores Wilhelmshaven.

 

Die fast vollständige Zerstörung der Kirche und die Vernichtung der Orgel im Oktober 1944 bereitete der bis dahin so erfolgreichen Arbeit zunächst ein jähes Ende.

 

Gleich nach dem Kriege aber begann Georg Hackstette damit, die Kirchenmusik seiner Gemeinde erneut aufzubauen.

 

Auf der kleinen Orgel in der Notkirche erklangen bald wieder die ersten Orgelkonzerte und auch der Madrigalchor fand schnell wieder zusammen.

 

Ideale Bedingungen für die Ausübung der Kirchenmusik wurden nach dem Wiederaufbau der Banter Kirche durch den Bau der neuen Alfred-Führer-Orgel im Jahre 1953 geschaffen. In wöchentlichen Konzerten stellte Georg Hackstette seinen interessierten Zuhörern eine Fülle deutscher und europäischer Orgelmusik vor und brachte mit dem Chor viele Werke alter und neuer Meister, zumeist Motetten und Kantaten, zu Gehör. Besonders angetan hatte es ihm das Werk Johann Sebastian Bachs.

 

Zum 50jährigen Jubiläum der Banter Kirche führte er am 28.12.1950 das Weihnachtsoratorium auf.

 

Als Dank und Anerkennung für seine großen Verdienste um die Kirchenmusik wurde Georg Hackstette an seinem 60. Geburtstag im Jahre 1950 zum Kantor ernannt. 


Es ist bezeichnend für das Leben dieses Mannes, dass er bis zum letzten Tag sein Organistenamt ausübte: Am 14. Juli 1963 starb Kantor Georg Hackstette in der Banter Kirche auf dem alltäglichen Weg zu seiner Orgel.

 

Sein Nachfolger wurde im Oktober 1964 Wilfried Heine. Aus Bremen kommend, wo er bei Professor Heinze das große Orgelexamen mit Auszeichnung bestand, ging der junge Kantor mit großem Elan an die vor ihm liegenden Aufgaben heran. In kurzer Zeit baute er die nach dem Tod von Kantor Harkstette zerfallene Banter Kantorei wieder auf, schuf ein kantoratseigenes Orchester und hatte mit der inzwischen umgebauten und erweiterten Orgel jetzt alle Möglichkeiten, eine rege kirchenmusikalische Tätigkeit zu entfalten. Zum ersten Mal erklangen in der Banter Kirche die großen Oratorien von Johann Sebastian Bach, wobei die Banter Kantorei häufig durch Orchestermitglieder aus Oldenburg, Bremen oder Hamburg unterstützt wurde. Im Jahre 1967 endete die Tätigkeit des Kantors. 

Kirchenmusikdirektorin Ingrid Sturm 

und die Banter Kantorei (1968 – 2003)

Der Gemeindekirchenrat Bant schrieb die Organistenstelle 1968 umgehend neu aus. Auf das zwischenzeitlich  zur A-Stelle (hauptberuflichen Dienst an Hauptkirchen mit besonderen künstlerischen Schwerpunkten in der Chorarbeit oder dem Orgelspiel sowie Leitungsaufgaben z.B. als Kirchenmusikdirektor in Kirchenbezirken) erhobene Amt bewarben sich viele namhafte Organisten. Die Wahl fiel auf die spätere Kirchenmusikdirektorin Ingrid Sturm. Diese trat am 1. April 1968 ihren Dienst in der Banter Kirchengemeinde an. Sie war zuvor sieben Jahre an der Andreaskirche in München tätig gewesen.

 

Die Aufbauarbeit des ehemaligen Chores gestaltete sich zunächst schwierig, da nicht genügend geschulte junge Stimmen zur Verfügung standen. Durch ihre nebenamtliche Lehrtätigkeit an den Schulen und durch die Leitung eines Schulchores gelang es Frau Sturm jedoch, diese Lücken bald zu schließen. Hinzu kam die intensive Kinderchorarbeit in drei Gruppen an der Banter Kirche sowie der Aufbau eines Chores an der Jugendmusikschule der Stadt Wilhelmshaven. Auf diese Weise wurde das Nachwuchsreservoir geschaffen, das eine qualifizierte Kantorei benötigt, um Leistungsschwankungen zu vermeiden.


Bereits 1971 erschien eine Schallplatte mit Weihnachtsliedern gesungen von der Banter Kantorei.

 

1975 bestand die Banter Kantorei aus 70 Mitgliedern, der Banter Kinderchor aus 50 Sängern und Sängerinnen und ein Vorbereitungschor für die Banter Kantorei hatte circa 20 Mitglieder. Alle Chöre versahen regelmäßige gottesdienstliche Aufgaben.

 

Zahlreiche Oratorien, Passionen, Kantaten, Motetten und Orgelkonzerte gelangten unter der Leitung der Kantorin und späteren Kirchenmusikdirektorin Sturm zur Aufführung, so auch zum ersten Mal in der Geschichte der Banter Kantorei die h-Moll Messe im Jahre 1975.

 

Zur Aufführung kamen alle großen Werke Bachs (Passionen und Oratorien, die h-Moll Messe, das Magnificat in D-Dur. Messias sowie Judas Maccabäus von Händel erlebten ebenso ihre Aufführung wie die Schöpfung von Haydn und Mozarts Requiem, die Krönungs- und Spatzenmesse und kleiner Werke. Felix Mendelssohn-Bartholdys Chorsymphonie „Lobgesang“ gelangte ebenfalls zur Aufführung.

 

Die Banter Kantorei unternahm mehrere Chorfahrten, u.a. nach München und Österreich mit Konzerten in Graz und Salzburg. Bereits im Jahre 1971 erschien eine Schallplatte mit Weihnachtsliedern,  gesungen von der Banter Kantorei. Auftritte der Kantorei erfolgten u.a. in Bonn, Hannover, Berlin, Frankfurt/Main.

 

Im Jahre 1999 zum einhundertsten Geburtstag der Banter Kirche stellt sich die chorische Arbeit wie folgt dar:

 

Es findet sich ein sogenannter Vorchor  in dem Kindern ab dem achten Lebensjahr sich in Atem- und Bewegungsübungen sowie Notenlernen und in einfachen Liedern übten.

 

Der sich anschließende Kinderchor führte die Mitglieder in mehrstimmiges Singen – teilweise schon mit Instrumentalbegleitung – ein.

 

Die zweimal in der Woche stattfindende Kantoreivorschule diente der Vorbereitung auf die Mitwirkung in der Banter Kantorei.

 

Die Banter Kantorei bestand aus überwiegend  aus jungen Sängerinnen und Sängern. Geprobt wurde auch hier wie in der Kantoreivorschule  zweimal in der Woche.

 

Seit 1993 existierte auch eine Singgemeinschaft, ein gemischter Chor für denjenigen Personenkreis, der das 25. Lebensjahr überschritten hatte und der sich in zumeist einfacheren Chorwerken übte und diese zur Aufführung brachte..

 

Die Amtszeit der zwischenzeitlich zur Kirchenmusikdirektorin ernannten Frau Sturm endete mit Erreichen der Altersgrenze im Jahr 2003. Sie hat in den vergangenen 35 Jahren einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Kirchenmusik weit über die Stadtgrenzen der Stadt Wilhelmshaven und dem Land hinaus geleistet. 

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Die Kapelle in Bant

Nach Errichtung der Banter Kirche wurde sie bis zu ihrer Zerstörung als Gemeindehaus genutzt.

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Banter Kirche

Südansicht

Kantor Georg Hackstette

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Konzert mit Kantor Georg Hackstette

im Jahre 1925

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Konzert mit KMDin I. Sturm

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Festkonzert der Banter Kantorei

100 Jahre Banter Kirche 1999

W.A.Mozart, Krönungsmesse

Bachkantate Nr. 21

Kantor Markus Nitt ab 2004 bis heute

Im Jahre 2004 folgte auf Frau Kirchenmusikdirektorin Sturm der ebenfalls aus Süddeutschland kommende Kantor Markus Nitt.

 

Markus Nitt wurde 1977 in München geboren. Von 1997 bis 2002 studierte er Evangelische Kirchenmusik und Konzertfach Orgel an der Hochschule für Musik und Theater in München. Während dieser Zeit musizierte er u.a. als Orgelsolist mit dem Münchner Madrigalchor. 1999 wurde er von Hanns - Martin Schneidt, dem Nachfolger Karl Richters, zum Assistenten in der Arbeit mit dem Münchener Bach-Chor berufen.

 

Nach dem A-Examen in Kirchenmusik folgte seit 2002 ein weiteres Orgelstudium bei Prof. Klemens Schnorr an der Hochschule für Musik in Freiburg, das er im Juni 2004 mit dem Künstlerischen Konzertexamen abschloss.


Seit Juli 2004 ist Markus Nitt Kantor an der Banter Kirche und Stadtkantor im Kirchenkreis Friesland-Wilhelmshaven. 


Markus Nitt konzertiert regelmäßig als Dirigent und Organist und arbeitet mit namhaften Orchestern und bekannten Musikern zusammen (Gottfried von der Goltz, Swantje Hoffmann, Benoit Laurent, Juris Teichmanis, Friedemann Immer, Henriette Scheytt, Torsten Johann, Max Ciolek).

Meisterkurse absolvierte er in Dirigieren bei Gary Graden, Carlo Pavese, Volker Hempfling, Grete Pedersen und Moden Schuldt-Jensen sowie im Orgelfach bei Daniel Roth. Studienaufenthalte und Konzertreisen führten ihn u.a. nach Frankreich, Italien, Ungarn, Schweden, Norwegen, Japan und die USA.

 

Markus Nitt hat der Banter Kantorei einen eigenen Ausdruck gegeben und eigene, sehr erfolgreiche, neue Schwerpunkte gesetzt.

 

Eine der ersten Änderungen bestand u.a. in der Aufhebung der Altersbegrenzung für den großen Chor der Kantorei. Die strukturierte Kinder- und Jugendarbeit wurde fortgeführt und den entsprechenden Entwicklungsstadien angepasst. 


Neu gegründet wurde das erfolgreiche Kammermusikensemble Ars Cantandi

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